So schlimm, wie es der Titel „Rockt den Weber“ vermuten lassen konnte, wurde es nicht – das Sächsische Vocalensemble nahm lediglich (und nicht zum ersten Mal) Chorwerke Carl Maria von Webers mit in sein Programm auf, mit dem es am Freitag das Elbhangfest in der Loschwitzer Kirche eröffnete. Kein Cross over also, keine Pop-Fassung von Webers Kompositionen.
Für den zweiten Teil der 17. Robert-Schumann-Ehrung (am 12. Juni fand auf Schloß Maxen eine Abendmusik statt) hatte Matthias Jung neben den Männerstimmen des Sächsischen Vocalensembles jene aus dem Dresdner Motettenchor und dem Knabenchor des Heinrich Schütz Konservatoriums Dresden hinzugenommen, deren Leiter Jung ist. Das Dirigat überließ er aber seinem Assistenten Felix Bormann. Neben Giljin Kirchhefer (Klavier) wirkte Annekathrin Laabs (Mezzosopran) als Solistin mit.
Männerchöre waren in der Zeit Schumanns und Webers en vogue, weshalb beide Komponisten Werke für die zahlreichen Singvereine und Liedertafeln schrieben [… Es] überzeugte ein nicht nur geschlossener, sondern emotionaler Eindruck, den das „Vocalensemble plus“ nach Bedarf steigern konnte, ohne eine Dauererregung oder ein anhaltendes musikalisches Drama auszulösen.
Diese Emotionalität lag schon in Robert Schumanns „Die Minnesänger“ (Opus 33, Nr. 29), die Verständlichkeit blieb dabei erhalten. […] Chorwerke Wagners kennt man […] – außerhalb seiner Opern – wenig. Insofern war „An Webers Grabe“ eine längst fällige Wiederbegegnung und passende Überleitung. Denn Carl Maria von Weber durfte mit „Lützows wilde Jagd“ (Opus 42, Nr. 2) und dem „Jägerchor“ aus dem „Freischütz“ […] endlich die Erwartungshaltung des Titels einlösen. Das leidenschaftliche „Jo ho! Tralalalala!“, geradezu inbrünstig vorgetragen, war ein Ausdruck der Freude! […]
[…] Felix Bormann [hatte] mit Felix Mendelssohn […] den Chor-Teil wieder aufgenommen und schloss mit einer Abschieds- und Abendliedtrias: Moritz Hauptmanns „Abendruhe“ (Opus 55, Nr. 4), Carl Ferdinand Adams „Abendlied“ (Opus 5, Nr. 6) sowie Carl Maria von Webers „Wandrers Nachtgebet“ voller Dunkelheit und Müdigkeit – da „rockte“ nichts mehr.
Also gab es noch eine kleine Weber-Zugabe incl. des Textes auf dem Grabstein des verstorbenen Affen Schnuff.
Wolfram Quellmalz