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Pressestimmen

Neue musikalische Blätter

Farben der Stille, Feuer der Einsamkeit

Konzert des Sächsischen Vocalensembles

Nach dem Auftritt in der Leipziger Nikolaikirche kamen das Sächsische Vocalensemble mit seinem Leiter Matthias Jung und die Batzdorfer Hofkapelle am Buß- und Bettag in die Dresdner Annenkirche. Wie so oft hatten sie ein bestimmtes, auf ein Ziel gerichtetes Programm. Diesmal war es ganz dem Komponisten Johann David Heinichen gewidmet. Wieder einmal eine Gelegenheit, eine historische Persönlichkeit kennenzulernen, zumindest ihr Werk oder einen Teil desselben. […]
Am Beginn stand mit „Lobe den Herrn, meine Seele“ eine Psalmvertonung, deren Lob von Chor und Solisten hymnisch angestimmt wurde. Elisabeth Mücksch hatte sehr kurzfristig die Sopranpartie […] übernommen, Stefan Kunath (Altus), Tobias Hunger (Tenor) und Felix Schwandtke (Bass) vervollständigten das Quartett. Die Batzdorfer Hofkapelle […] trug mit flexibler Besetzung und allen verfügbaren Solisten zum farblichen Glanz bei – hier und da schimmerte eine Goldkante. […] Auf die Farbpracht von Psalm 103 folgte das dunkle, warme „Mag auch ein Blinder“. Den damit verbundenen emotionalen Wechsel vollführte das Sächsische Vocalensemble souverän, die Stimmung war keineswegs gedämpft, sondern beruhigt. […] Für einen dramaturgischen Aufschwung sorgte die Kantate „Einsamkeit, oh stilles Wesen“, die im Zentrum des Programms stand und ihm zudem den Titel gab. Sie wird von einer kurzen Sinfonia-Sequenz eingeleitet und wartet mit fugierten Strophen aus, vor allem aber fiel der pastorale Charakter angenehm auf – mit dem Text verband sich der Hirtengedanke ganz wunderbar. Nach solch (positiver) Aufregung, musikalisch-emotionalem „Aufruhr“ war das „Heilig ist Gott, der Herr Zebaoth“ […] eine kontemplative Wohltat vor dem Schluss. „Meine Seele erhebet den Herren“ ist dem Text nach ein Teil des Magnificat, das ja auch in der evangelischen Kirchenmusik seine Bedeutung hat. Dem hymnischen Anfang, vor allem vom Chor ausgelöst, war nun zusätzlich die Pracht eines Orchesterensembles mit Blechbläsern hinzugefügt. Elisabeth Mücksch, die mehr und mehr in ihre Rolle gefunden hatte, sorgte hier für den Engelssopran. Auch hier („Liebster Gott, wie große Dinge“) bereitete ein pastoraler Schimmer mit (noch einmal) bemerkenswert schöner Ostinato-Begleitung eine besondere Stimmung […]

Wolfram Quellmalz